Donnerstag, 9. Mai 2013

Nykterhetens dag – Der Tag der Antialkoholiker



Noch während  ich am gestrigen Morgen schrieb, kam Gunnar bereits zurück zu mir.
Wie erfreulich!
Gewiss plagte ihn das „schlechte Gewissen“ des kommenden Fußballspieles wegen.  Er blieb die ganze Zeit über bei mir. Bis zu diesem Zeitpunkt und wird nach dem Dinner zu seinen Brüdern fahren. (Und ich?)
Wir verbrachten einen langweiligen Abend am Fernseher. Mit einem, zumindest für mich spannenden dänischen Kriminalfilm. Gingen spät zu Bett, wo ich keine Ruhe fand, alldieweil einige Leute beschlossen hatte vor ihrer Hütten zusammen zu sitzen und zu trinken. Gespräche und Gelächter waren noch aus einiger Entfernung gut zu hören.
Sex gab es indes keinen.
„Kann ich dich ohne Sex gehen lassen?“, hatte ich Gunnar gefragt.
„Ich komme umgehend nach dem Spiel zurück. Was soll da schon passieren?“ Er lachte und strich mir mit dem Rücken seiner Hand zärtlich über die Wange.
„Das soll ich dir glauben?“
„Ja.“, sprach es und küsste mich innig.

Auf Marys Gegenwart legte ich nicht wirklichen Wert. Ohnehin moniert sie ebenso meine Notebook-Zeit. Sie äußerte sogar, man solle mir „das Ding“ wegnehmen. Dann fände ich endlich Zeit für die wichtigen Sachen.
„Warum nur magst du sie nicht?“, fragte Gunnar.
(Was für eine saudumme Frage!)
„Sie ist ein so lieber Mensch. Erkennst du das nicht?“
„Mag sein.“ Mir war nicht danach dieses Thema zu spezifizieren.

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Eine „Video-Botschaft von Ian.
In Deutschland feiert Mann heute den „Vater-Tag“. Was für ein Aberwitz.
Gleichwohl wie bezeichnend, dass Mann sich aller Orts an diesem Tag betrinkt.

Ich skypte kurz mit Ian. „Wo wohnst du jetzt?“, war eine meiner Fragen im Hinblick auf einen etwaigen Besuch in Berlin. Alldieweil ich der festen Überzeugung bin, dass Kevin noch am Leben ist. Und es lässt sich unschwer denken, warum man will, dass ich genau dies nie erfahre.

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Nun, heute ist Gökottan und Nykterhetens dag.
Demzufolge unternahmen wir heute bereits am frühen Morgen einen kleinen Spaziergang, um dem Kuckuck zu lauschen. Gehört habe ich ihn nicht wirklich. Aber das Erwachen des Tages und den Gesang der Vögel.
Zudem bin ich gleichwohl guter Hoffnung aufgrund des Nykterhetens dag, dass mein Ehemann sich nicht betrinken wird und vielleicht sogar noch heute nach dem Spiel nach Hause zurückkehrt.
Jedoch vermute ich, dass sich die meisten Männer ohnehin nicht daran halten. Dies gewissermaßen ausschließlich als Erinnerung dienen soll, nicht unter Alkoholeinfluss am Steuer eines Autos zu sitzen und überdies noch andere Menschen zu gefährden. Man sollte hier zu Lande den Alkohol vollends verbieten. Das Saufen ist nicht nur den Männern zu Eigen. Die Frauen passen sich an. Zu einem hohen Preis, wie ich finde.

Was werde ich nun heute tun?
Begebe ich mich in die Gesellschaft von Frauen? Oder doch lieber von Männern? Oder bleibe ich allein? (Und warte auf die Rückkehr meines Ehemannes.)



Mittwoch, 8. Mai 2013

Eifersucht?



Gunnar sah ich beinahe den gesamten gestrigen Tag nicht. Er kam erst gegen drei von Stockholm zurück. Begrüßte mich kurz und begab sich sogleich auf den Weg zu seiner Mutter. Anschließend wolle er noch eine Runde joggen und schwimmen gehen. „Wir treffen uns dann gegen sieben im Restaurant.“, sagte er und ging.
Ich hatte mich, selbstredend, am Vormittag mit meinem Notebook beschäftig. Das Dinner mit Mary, Christine und Thomas im Restaurant eingenommen, und war dann mit Mary zurück zum Haus gegangen. Sie erzählte mir Geschichten ihres Stammes  und brachte mir einige Worte Lakota bei. Ich war erleichtert, dass sie mir keine Fragen stellte.
Ich musste an Kevin denken. Denn am Morgen war erneut ein Päckchen aus Deutschland mit Porzellan für mich angekommen. Zwei Teller. Siehe Foto. 
Würde ich doch nur den Mut finden, um nach Berlin zu reisen und Kevin zu suchen. Ich bin mir beinahe sicher, dass er tatsächlich noch lebt. (Hoffnung!)
Gunnar ging mir ebenso nicht aus dem Kopf. War er wirklich bei seiner Mutter? Joggen? Schwimmen? Oder vergnügte er sich mit dieser Elena in seinem Spielzimmer?
Ich stand unvermittelt auf und ließ Mary schlicht und einfach sitzen. Zog mir Schuhe und Jacke über und ging zum Office. Dort traf ich Christine, die mir bestätigte, dass Gunnar eine Zeit lang bei ihr gewesen war.
„Er sagte er wolle schwimmen gehen.“
„Ja. Ich weiß.“
Zurück zum Haus oder Mary wollte ich nicht. Um ins Restaurant zu gehen, war es zu früh. Ich stand im Flur vor dem Office und blickte zur Tür, die in das obere Stockwerk und Gunnars Spielzimmer führte. Sollte ich dem Impuls folgen und nach oben gehen?
Ich tat es, und fand NICHTS.
Da war niemand. Die Tür war verschlossen. Keine Geräusche. Nichts.
Alsdann ging ich nach draußen und schlug vorerst den Weg zu Troels ein.
„Ich wollte mich nur vergewissern, dass mein Geschenk angekommen ist.“, war meine durchschaubare Ausrede. Jedoch zuvor hatte ich die Hütte von Elena ins Auge gefasst. Es war mir der Gedanke gekommen Gunnar könnte möglicherweise dort sein. Nur, wie hätte ich das herausfinden können? Durch die Fenster spähen wie ein Einbrecher? An der Tür klopfen? Und was dann?
Nein. Ich war zu feige. Wagte es nicht.

Am aller liebsten hätte ich mit Troels gefickt. Gleichwohl es ein „Rache-Fick“ gewesen wäre. Was Troels mit Nichten verdient.
Wir redeten, sahen fern und ich gestand ihm meine Gedanken bezüglich dieser Elena. Er stellte es sich bildhaft vor, wie ich um die Häuser schlich und heimlich durch die geschlossen Fensterscheiben starrte.
„Das tust du doch nicht wirklich. Oder?“
„Ich weiß. Es wäre erniedrigend, wenn man mich dabei sähe. Die Chefin spioniert ihrem Mann hinterher, würde man sagen.“ Ich verzog das Gesicht. „Besteht indes nicht ausrechender Tatverdacht?“
„Gewiss. Mag sein.“
Ich nahm Troels Hand, stand auf und zog ihn in Richtung seines Zimmers. „Komm!“, bat ich ihn. Machte einen Schmollmund, legte meinen Kopf ein wenig schief und mein Haar um seinen Hals.
„Nein.“, wehrte er sich. „Nicht jetzt.“
„Du hast eine andere. Gib es zu?“, witzelte ich.
Troels schmunzelte und schüttelte den Kopf.
„Diese Kellnerin. Ich weiß es. Sie macht dir Avancen. Nicht wahr?“
„Jetzt ist es aber genug!“, rief er aus, zog mich zu sich und schloss mich in seine Arme. Seine Hände streichelten meinen Rücken und er küsste mich auf die Stirn. Auf die Wange. Auf den Mund. Dann sah er mich lächelnd an. „Wie kommst du nur darauf? Warum sollte ich das tun? Wenn ich eine so bezaubernde Frau wie dich haben kann Rea, bedarf es keiner anderen.“
„Du schmeichelst mir.“ Ich strich ihm verspielt mit dem Zeigefinger über die Lippen.
„Ein Berg voller Worte wären nicht genug, um deine Schönheit zu beschreiben.“
„Hmm. So poetisch?“ Meine Hand streifte „ganz zufällig“ seine Hose und ich spürte für einen Augenblick sein Glied. „Hhu!“ Mir wurde heiß.
Er schob mich einige Zentimeter von sich weg. „Lass es gut sein. Nicht jetzt. Hörst du?“
Sein Bruder Mads stand grinsend hinter uns und beobachtete das Schauspiel. Es machte mir nichts aus. Denn er hatte uns oftmals schmunzelnd dabei zugeschaut, wie wir uns küssten, und wusste „Bescheid“.

Am Ende blieb es beim Küssen und beim Fernsehen, und ich ging gegen sieben zum Restaurant, wo mich Gunnar bereits erwartete.
„Wo bist du gewesen? Du warst nicht im Haus.“
„Nein. Ich war bei Troels.“, antwortete ich freimütig.
„Warum?“ Gunnar sah mich zweifeln an und zog seine linke Augenbraue nach oben.
„Weil ich Lust dazu hatte. Mich mit ihm unterhalten wollte. Mary ist mir zu langweilig. Ich interessiere mich nicht für sie.“
„Aber für Troels?“
„Eifersüchtig?“, fragte ich und biss mir auf die Unterlippe.
„Hätte ich Grund?“ Gunnar sah mich prüfend an.
Mir war einigermaßen klar, dass er über alles Bescheid wusste. Jedoch hatte ich es nie zugegeben, dass es tatsächlich so war. Er hatte nicht darauf bestanden. Es nie gefordert.
„Hatten wir dies nicht bereits erörtert?“, sagte ich herausfordernd, als könne ich ihm in der Tat beweisen, dass da nicht war. Mit mir und Troels. „Und was ist mit dir und diesem Model?“, warf ich ihm entgegen.  Meine Augen fixierten ihn, um auch nur die kleinste Reaktion erkennen zu können.
Gunnar nahm in aller Seelenruhe seine Serviette und tupfte sich die Mundwinkel. „Ich dachte, damit sind wir ebenfalls durch.“
Er schien ebenso vehement darüber schweigen zu wollen. Folge dessen beließ ich es dabei.
Dessen ungeachtet quälte mich die Frage, ob er nicht doch am Nachmittag bei ihr gewesen war. Ich hatte so ein ungutes Gefühl in meinem Magen. Zwischen Gunnar und mir baute sich ein leichter Nebel des Misstrauens auf, der sich nur schwerlich auflösen wollte.

Während ich am Abend zum wiederholten Male an meinem Notebooks saß und Gunnar fernsah, erzählte er mir von Stockholm und dem „kurzen“ (?) Besuch bei Hjalmar. Er wolle mit seinen Brüdern am Donnerstag zum Fußball gehen.
„Wird dies nun zur festen Gewohnheit?“, konnte ich mir die Frage nicht verkneifen.
Gunnar räusperte sich nur. Antwortete jedoch nicht.
Am liebsten hätte ich ihm an den Kopf geworfen, dass ich ihn mit diesem Model ficken sah. Ich verscheuchte schleunigst meine Gedanken und vertiefte mich besser in Auktionen und Mails. Sah mir Fotos und einen Film an, anstatt sein albernes Sportprogramm.

Als wir zu Bett gingen kam Vertrauen und Liebe zu uns zurück.
Ich war erleichtert und schmiegte mich an den warmen Körper meines Ehemanns. War müde und erschöpft von den reichhaltigen Facetten des Tages und schlief sogleich ein.

Heute Morgen in aller Frühe, kam die Visite der Vampire.
Die Einen lechzen nach meinem Blut. Die Anderen nach meinem Geld.
Gunnar blieb bei mir. Hielt meine Hand. Anschließend frühstückten wir und im Augenblick wird er im Office sein. Denke ich zumindest.


Dienstag, 7. Mai 2013

Love and pics



Während ich gestern Morgen diesen überdimensionalen Eintrag in mein diary  schrieb, war Gunnar bei Christine und leitete mit ihr und Thomas die Dienstberatung.

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Ryan kam zu mir und fragte mich weshalb ich fortwährend die Selben Männer (Paul, Eric, Joseph, Mads,  Scott, Mark, Jason, Troels, William und William, Steve, Sarah) aus „seinem Team“ als meine „persönlichen“ Bodyguards anfordere.
„Weil ich ihnen vertraue.“, entgegnete ich ihm.
Oh! Ich vergas meine „Gedanken-Spielereien“ zu den Männern unseres Sicherheits-Teams. Sie werden folgen.

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„Elena“ kam während des Dinners an unseren Tisch und nötigte Gunnar aufzustehen, um mit ihr zu reden. Was auch immer?!
Ich zeigte mich gefällig und verständnisvoll. Nickte ihr überdies zu und lächelte sie an. Haltung wahren! Fördert das Selbstbewusstsein. Man glaube mir.
Es bedurfte keinerlei Demonstration meinerseits, um zu zeigen, dass ich Gunnar wahrhaftig liebe. Oder er mich in gleichem Maße. Es IST schlicht und einfach SO!

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Maries Bauch wird beständig „runder“.  Sie ist mit Adam auf dem Weg nach New Orleans. Ihr Kind wird dort zur Welt kommen. Ende Juni.

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Gunnar strahlt, mit einem liebevollen Lächeln. Legt seine beiden Hände aneinander und diese dann an sein Gesicht. Zieht genüsslich und hörbar die Luft durch seine Nase. „Ich liebe es deinen Geruch an meinem Körper zu riechen. Es ist wie mein ganz eigenes Parfüme.“ Diesen Worten folgt eine beinahe euphorische Umarmung, in welcher er mich liebkost und fest an sich drückt. 

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Mary – Ich akzeptierte sie schlussendlich doch an meiner Seite. Allerdings mit Vorbehalt.
Mein „Gesundheits-Programm“ rückt nun erneut und verstärkt in den Fokus. Mit Tees, leichten Bewegungen, Physiotherapie und magischen Übungen. Eine Art gezielter „Unterricht“ soll erneut beginnen“. Mary und Gunnar werden meine Lehrer sein.

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Rea new’s

- Der Gedanke an Kevin war der Liebe zu Gunnar gewichen. Vorerst zumindest.
- An Troels denke ich selbstverständlich des Öfteren. Er ist und bleibt ein guter Freund. Er feierte gestern seinen neunundvierzigsten Geburtstag. Ich gratulierte kurz via iPhone. „Wir sehen uns später.“
- An Wanja mag ich nicht denken. An Ian genau genommen ebenso wenig.
- Mit Emilia Stephansdottir verbleibe ich weiterhin auf beständigen „Versöhnungs-Kurs“. Überdies erreichte mich erneut eine Einladung zum „Frauenkreis“, welche mir Olivia überbrachte.
- Diese „deutsche Frau“, Anna Janowski sah ich in gemeinsamer Heiterkeit mit „Elena“ flanieren. Was mich misstrauisch und achtsam werden lässt. Ein Zufall? WAS in der Götter Namen haben diese beiden miteinander zu besprechen?
- Jason. Oh Jason. Wäre eine „Sünde“ wert. Was ich mir jedoch mit Nichten erlauben kann und werde. Basta!
-  Darüber hinaus beschäftigt mich selbstredend die weiß bekittelde Zunft mit ihren vampiristischen Schwestern. Sie werden mich offensichtlich nie mehr aus ihren Fängen lassen.


Montag, 6. Mai 2013

Verrat – Eine Fata Morgana und der 7. Himmel



Nach zahlreichen Versuchen Wanja via iPhone zu erreichen, gab ich letztendlich auf. Ich war frustriert. Enttäuscht. Genervt. Fühlte mich hintergangen. War ich beständiges Ziel von Unwahrheiten. Von Verrat? Wem konnte ich überhaupt noch vertrauen? Gunnar?
Mary kam und wir gingen über zu den Übungen des Chi Gong. Als wir diese beendet hatte wandt ich mich in Ausflüchten. Denn ich wollte, dass sie geht. Mir war nicht  danach Fragestunden zu wiederholen.
„Ich möchte ein Stück spazieren gehen.“, sagte ich schließlich einigermaßen schüchtern und mein zaghafter Blick streifte sie nur kurz. „Allein.“, setzte ich verwegen nach.
„Okay.“, war alles, was sie sagte bevor sie mit einem Lächeln auf den Lippen die Tür hinter sich schloss.
Denn mir ging Gunnar nicht aus dem Sinn. Ich vermochte mir nicht vorzustellen, was er am Sonntagmorgen im Office zu tun haben könnte. Alsdann gab ich meiner Neugier schlussendlich nach und ging ihn suchen.
Für Troels blieb vorerst bis zu dahin keine Zeit. Obgleich ich mich liebend gern persönlich vergewissert hätte, dass es ihm gut geht.

Im Office selbst, fand ich Gunnar nicht. Ich ging durch die Räume und sah keinerlei Hinweise darauf, dass er hier gewesen war. In diesem Augenblick dachte ich an Troels und war beinahe auf dem Weg nach draußen, als ich eine offene Tür zu der Treppe in das oberste Stockwerk bemerkte. Ich ging geraden Schrittes darauf zu und zaghaft die Treppe nach oben. Leise schlich ich den Flur zu Gunnars „Spielzimmer“ entlang, aus welchen ich glaubte Stimmen zu hören. Und tatsächlich, da waren „Stimmen“.
Bekommenheit schlich mir in die Glieder, sodass ich kaum mehr fähig war einen Schritt vor den anderen zu tun.
Wollte ich in der Tat sehen, was dort vor sich ging?
Meine Neugier siegte erneut.
Ich streifte meine Schuhe ab und schlich geräuschlos zur Tür. Die Intensität der Stimmen nahm zu. Es hörte sich wie ein Stöhnen an. Ich blieb kurz stehen und dachte darüber nach, wie ich so leise als nur möglich die Tür öffnen könnte. Ich wagte es. Drückte die Klinke nach unten und es bedurfte nur eines kleinen Spaltes von wenigen Zentimetern um etwas zu sehen, das mich geradewegs schockierte, sodass ich wie angewurzelt stehen blieb. Jedoch nur für ein, zwei Minuten. Denn mein Hirn meldete mir: Es darf dich niemand sehen! Du musst verschwinden! Rasch!
Meine Atmung ging flach. Mein Herz pochte. Meine Knie zitterten. Wie sollte ich mich da in der Götter Namen bewegen? Aber ich wusste genau, dass es notwenig war. Denn da war Gunnar mit diesem porzellanernen Model, Elena. Beide waren nackt. Sie saß auf der Schaukel. Gunnar hatte beiden Händen um ihre Hüften gelegt, sowie er es mit mir stets tat, und zog sie wieder und wieder zu sich heran. Ich sah seinen erigierten Penis, dem ein Kondom übergestreift war, wie er in sie hinein glitt und wieder heraus. Dann nahm er sie, während er in ihr war, hielt sie an den nackten Pobacken fest und trug sie zum Bett. Seine Stöße waren wild und heftig, gerade so, als würde er allen Ärger und Frust aus sich heraus und in sie hinein stoßen wollen. Sie rutschte mit jedem seiner Bewegungen mehrere Zentimeter nach oben, zum Rand des Bettes.
Bis dahin und nicht weiter!!! Mein Hirn und mein rebellierender Magen, welcher drohte sich nach außen zu stülpen, erinnerten mich daran zu gehen. Denn bislang hatte mich niemand entdeckt.

Ich erinnere mich nicht mehr daran, welchen Weg ich nach draußen nahm. Denn erst als ich den Wind und die Wärme der Sonne auf meiner Haut spürte, bemerkte ich, dass ich nicht mehr im Haus und bereits auf den Weg zu Troels Hütte war.
Ich klopfte fieberhaft mit Tränen in den Augen an seine Tür. Wieder und wieder, bis Mads schlussendlich nach einer gefühlten Ewigkeit öffnete. Ich sank in seine Arme. Er wusste nicht wie ihm geschah. Hielt mich und rief nach Troels, der sogleich zu uns kam und mich „übernahm“. Gewissermaßen.
Troels trug mich hinein und setzte mich auf einen Stuhl. Mads schloss die Tür. Beide starrten mich an. „Was ist passiert? Soll ich einen Arzt rufen.“
Ich konnte nicht reden. Stammelte nur. Schüttelte den Kopf und wehre mit den Händen ab. Nein. Nein. Nein. Wollte ich sagen. Konnte es jedoch nicht.
Mit verkrampften Fingern hielt ich Troels Arm. Ließ ihn nicht los. Krallte mich geradezu fest.
Er legte seinen Arm um mich. Kniete neben mir nieder. Streichelte mich und redete beruhigend auf mich ein.
„Er hat mich verraten! Belogen! Betrogen!“, schoss es nach einigen Minuten des Schluchzens aus meiner Kehle.
„Wer?“, fragte beide beinahe gleichzeitig.
„Gunnar!“
Troels sah Mads an und Mads Troels. Troels räusperte sich. Mads zog die Stirn in Falten und kratzte sich am Kopf.
Troels erhob sich, zog noch einen Stuhl heran, setzte sich ganz nah vor mich hin und nahm meine zitternden Hände in die Seinen. „Was ist denn passiert?“, fragte er in ruhigem Ton.
„Er und dieses Model. In seinem Spielzimmer. Er hat sie gefickt. Ich sah es!“, wurde ich mit jedem Satz lauter.
Erneutes Räuspern und Kopf kratzen. „Bist du sicher?“
Ich sah Troels verständnislos in die Augen.
„Okay. Okay. Du hast es gesehen.“
„Ja.“, bekräftigte ich meine Aussage mit Nachdruck.
Stille.
„Könnte es sein, dass du dich möglicherweise geirrt hast?“
Ich holte tief Luft und sah ihm erbost in die Augen.
Zwei, drei Sekunden vergingen und dann schüttelte er kurz meine beiden Hände. „Gut. Ich glaube dir. Nur darfst du jetzt nicht unüberlegt und übereil handeln. Du musst dich dringend beruhigen.“ Troels sah mir mit festem Blick in die Augen. „Hörst du mich?“
„Beruhigen? Unüberlegt? Übereilt? Was soll denn das bedeuten?“
„Das soll bedeuten, dass du in Ruhe die Situation überdenkst und erst dann entscheidest, was zu tun ist.“
Ich starrte ihn an. Wusste nicht wirklich, was er damit meinte.
„Rea.“, begann er eindringlicher zu werden. „Du kannst jetzt nicht so einfach hingehen und deinen Mann des Ehebruchs beschuldigen.“
„Aber ich sah es und er hat mir geschworen, dass er nie..“, meine Stimme brach.
Troels hielt mich fest. „Hör zu. Er weiß schließlich auch von uns.“
„Das gibt ihm noch bei Weitem nicht das Recht..“, und wieder hielt ich inne.
Mads hatte sich in der Zwischenzeit zu uns an den Tisch gesetzt. Troels hielt weiterhin meine Hände fest in den Seinen und redete beschwörend auf mich ein. „Womöglich gibt es einen Grund für das alles. Ich denke, du solltest das alles vergessen und vor allem darüber schweigen, was du sahst.“
Ich hüstelte. „Was?!“ Wie könnte ich?“
„Er hat ebenso geschwiegen. Obwohl er alles von uns weiß.“
Ich schniefte. Wischte mir kurz mit dem Handrücken über Augen und Nase, stand auf und wollte gerade wütend nach draußen rennen, als es klopfte.
Mads stand augenblicklich auf den Beinen und ging zur Tür. Es war Mary, die mich suchte. Mads bat sie herein.
„Geh!“, schrie ich ihr entgegen. „Verschwinde!“
Ihr Gesicht versteinerte im Augenblick und sie sah verdutzt zu mir herüber. Sah Troels fragend an. Dann Mads und dann wieder mich.
„Es ist nichts weiter.“, sagte Troels schließlich und Mads ging einen Schritt zur Tür zurück, um Mary zu verstehen zu geben, dass sie gehen soll. „Sie wird sicherlich in Kürze bei ihnen sein.“, setzte Troels nach. Mary stutzte, wendete jedoch und ging.

Troels hielt mich bei den Händen und redete so lange beschwichtigend auf mich ein,  bis ich bereit war IHM Glauben zu schenken. Die Notwenigkeit einsah die Wahrheit zu vergessen. Zu verdrehen. Zu ignorieren, dass ich Gunnar dieses Model ficken sah und so zu tun als sei überhaupt nichts geschehen.
Nur wie konnte ich dies? Wie konnte das gut gehen? Gunnar würde in meinen Gedanken lesen und sehen, dass ich alles wüsste.
Ich schluckte. So nach und nach hatte mich Troels tatsächlich beruhigen können. Nur vergessen, ignorieren, so tun, als ob nichts geschehen sei? Das würde ich nicht können. Dachte ich.
„Komm wir gehen Essen.“, forderte mich Troels auf, meinen Gedanken eine völlig neue Ausrichtung gebend.
„Nein. Ich gehe allein.“, hörte ich mich sagen, stand auf und ging zum Restaurant.
Während ich geistesabwesend speiste, reiste ich in Gedanken nach Berlin. Dachte an Wanja und an Ian und daran meine Koffer zu packen, in meinen Wagen zu steigen und zum Flughafen zu fahren. Wäre dies jedoch tatsächlich weise gewesen? Ich musste besonnen handeln. Troels hatte Recht.
Vernünftiges Handeln setzte andererseits ein gewisses Maß an schauspielerischem Können voraus. Besonders in dieser speziellen Situation. Jedoch konnte ich mich gerade dessen nicht wirklich rühmen. Einen Versuch war es allemal wert.
Ich dachte an Troels Worte. Welchen GRUND kann ein Mann haben, eine Frau zu ficken außer der puren Lust daran? Zudem es sich hier noch um ein junges, über die Maßen attraktives Mädchen handelte. Mir fiel da wahrlich nichts Weiteres ein.
Gunnar hatte mir doch versprochen, geschworen, dass er keine andere begehrt. Wieso?
Ja. Natürlich. Es MUSSTE schlicht und einfach eine Erklärung dafür geben. Jedoch war es für mich offenkundig vorerst besser zu schweigen und achtsam zu sein.
Im Haus angekommen war ich erstaunlicher Weise von einer eigenartigen Ruhe beseelt, welche selbst mich zum Staunen brachte.
Ich hatte mich kaum meines Jacketts entledigt, als Gunnar zur Tür herein kam. Er stoppte kurz, sah mich (prüfend) an und ging dann weiter. Seine Haar ware feucht. Natürlich hatte er „geduscht“.
„Entschuldige.“, sagte er ein wenig verlegen. „Ich war schwimmen und vergaß die Zeit.“
„Hast du noch nichts gegessen?“, fragte ich wie eine treu sorgende Ehefrau.
„Nein.“ Ein kurzer Blick traf mich. „Hattest du mir nicht versprochen..“ Ein flüchtiges Räuspern verließ bei diesen Worten meine Kehle. „..wenigstens ein, zwei Kilo zuzulegen?“ Ich lächelte ihn an. „Ich kann dir etwas bestellen. Was magst du?“, sagte ich beinahe schon beschwingt und tänzelte auf ihn zu.
Gunnar lächelte jetzt ebenfalls. „Es scheint dir gut zu gehen.“
„Ja. In der Tat. Jedoch das dicke Ende wird sich gewiss noch einstellen.“, bezog ich mich auf meine gesundheitliche Situation. Was jedoch ebenso anders ausgelegt werden konnte.
Gunnar neigte den Kopf ein wenig, zog die linke Augenbraue nach oben, streckte die Arme nach mir aus und ich folgte bereitwillig seiner Aufforderung, gerade so, als ob NICHTS geschehen wäre.
Ja. Was ich sah war ein Trugbild. Eine Fatahmorgana. Eine Halluzination. Basta!

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Schlussendlich nahm ich die Gewohnheiten meines Alltags wieder auf. Setzte mich mit meinem Notebock zu Gunnar an den Tisch und leistete ihm Gesellschaft während er aß.
Als Mary zu uns kam, warf ich ihr einen eindringlichen Blick zu. Sie zwinkerte kurz und verstehend mit beiden Augen und schwieg über das Gesehene. Ein wenig Smalltalk entstand, indes ich mich auf das abendliche Klavierkonzert vorbereitete, was zu einem erhebender und anregender Kulturgenuss wurde.
An Gunnars Seite bestand ich die Pflicht und die Kür. Trotz der Gegenwart des Models, die Gunnar lächelnd zunickte. Er nickte zurück, und nichts weiter.
Selbstredend schossen mir in diesem Augenblick erneut die Bilder von ihr und Gunnar durch den Kopf, welche ich zu verbergen und zu vergessen suchte.

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„Ich will dass sie geht!“, forderte ich kühn, während wir zu unserem Haus zurückgingen.
„Wer?“
„Mary.“
Gunnar stutzte. Er blieb stehen und hob die Schultern. „Warum?“
„Ich will sie nicht in meiner Nähe haben. Es belastet mich.“
Wie ein trotziges Kind beharrte ich darauf, dass sie gehen sollte.
Am Ende einigten wir uns darauf, dass sie vorerst für einige Tag zu Erik ging.

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Nein. Ich hatte keinen „gemischten Gefühle“, als ich am Abend mit Gunnar zu Bett ging und mich an an seine Seite kuschelte. Gewiss war da eine Anzahl von Bildern, Gefühlen und Emotionen, die ich in kürzester Zeit für mich verarbeiten musste. Jedoch was brachte es mir zu schmollen? Vielleicht würde sich doch noch alles „aufklären“.

Gunnar war an diesem Abend so aufmerksam. Schmuste ausgiebig, und wenn mich sein liebevoller Blick traf, war es gerade so, als wolle er um Verzeihung bitten.
Ich ließ ihn gewähren und genoss seine Zuneigung. Wozu sich quälen? Ich weiß, er würde mich nie verlassen. Er muss in der Tat einen „guten Grund“ für sein Handeln geben.

Der Morgen war noch tausendfach erfreulicher.
Ich hatte noch nicht einmal die Augen geöffnet, streckte mich genüsslich und rieb meinen Körper an Gunnars. Er wachte lächelnd auf und seine Hände glitten sogleich über meinen Körper. Die Meinen hingegen suchten sein Geschlecht und massierten es.
„Hey.“, sagte er schmunzelt und küsste mich. „Hast du Lust?“ Er lachte.
„Und du?“, fragte ich zurück.
„I-m-m-e-r!“, und schon begann er mich erneut zu küssen und zu streicheln.
Ein Vorspiel begann und es wurde heißer und heißer. Gunnar entfachte in mir ein einzigartiges Feuerwerk, was ich nie gedacht hätte in solch einer Situation, ob nun in gesundheitlicher oder gekränkter Hinsicht, erleben zu können.
Er peitschte meine Leidenschaft von Höhepunkt zu Höhepunkt. Ich hätte dies nie, niemals für möglich gehalten!

Ich kam mehrere Male und war am Ende derart erschöpft, dass ich am liebsten im Bett geblieben wäre und weiter geschlafen hätte.
Ich dachte in diesem Augenblick an Marie. Sie hatte in der Tat die uneingeschränkte Wahrheit ausgesprochen. Gunnar ist tatsächlich der einfühlsamste, liebevollste und zärtlichste Liebhaber, Freund (Magier) und Ehemann, den ich mir vorstellen könnte. Sein gesamtes Sein, besonders in diesen speziellen Momenten, ist so voller tief greifender Gefühle, die er nach außen und zu mir zu transportieren vermag, wie man es einem Mann kaum zutrauen kann. Was für ein Glück, dass wir uns fanden und lieben lernten. Und nicht nur lieben. Sondern ebenso uns zu vergeben und uns so zu akzeptieren wie wir sind.
Es ist in der Tat eine schwere Lektion. Zugegeben. Jedoch das Ergebnis ist umso fabelhafter, großartigere, wie ich es mir nie hätte träumen lassen. Und es mit Nichten SO wie mit Felicio war. Welcher mich offen und mit Vorsatz betrog. Gerade so, als wäre das NICHTS. Seine Männer-Macho-Welt bis zum erbrechen auslebte, ohne Rücksicht auf Verluste.

Möglicherweise sind es just diese Umstände, in denen sich viele Frauen „falsch“ und unvorteilhaft verhalten. Aus gekränkter Eitelkeit heraus, ebenso wie die Männer.
Gleichgültig, was auch vorgefallen sein mag, ist es immerhin möglich, sich gleichwohl  weiterhin in Liebe zu begegnen, anstatt einen Streit vom Zaun zu brechen, welcher die Gemüter erhitzt und schlimmsten Falls ein Ende der Beziehung zur Folge haben könnte. Am Schluss wird sich  zeigen, wo die wahre Liebe, die Reine, ohne Urteile und ohne Erwartungen zu finden ist.
Ist es nicht gerade DAS, was von den spirituellen Menschen der „neuen Zeit“ propagiert wird? Genauso, wie das „Verzeihen können“.
Dann sollte man sich gefälligst daran halten und nicht dem „veralteten Model“ der herkömmlichen Frau-Mann-Beziehung, welches zusätzlich noch mit falschen Glaubensgrundsätzen durchzogen ist hinterher trauern. Wer „A“ sagt, sollte auch „B“ sagen können, und nicht mit dem Jammern beginnen, wenn der „Ehe-Mann“ eine andere fickt. Vielleicht ist es doch zuweilen wichtig, ein anderes Gericht zu probieren, damit man am Ende weiß, wie unübertrefflich und vorzüglich es zu Hause mundet.

Ich glaube und vertraue meinem Ehemann, wenn er mir mit einem Lächeln auf seinem bezauberndem Gesicht und mit einer Zuneigung in seinen Augen, die aus dem tiefsten Herzen kommt zu mir sagt, dass  er mich liebt und wir immer Eins und miteinander sein werden. Wie könnte ich ihm da noch zürnen.
Es wird Gründe dafür geben, was er tut.
Gleichwohl zeigt es mir, wie sehr ich ihn brauche. Auf ihn angewiesen bin.



Sonntag, 5. Mai 2013

Freund oder Feind?



Ich muss der Selbstgeißelung anheim gefallen sein. Nein. Ich ließ mich von freundlichen, gefälligen, (heimtückischen) Worten umgarnen. War erneut naiv und vertrauensselig. Ein „neuer Anfang“ mit nettem Palaver. Wer könnte sich dem entziehen?
Anstatt mit Mary zu reden, was zweifelsohne besser für mich gewesen wäre, folgte ich einer Einladung von Emilia Stephansdottir zum „Frauenkreis“. Nach einer Weile des Zuhörens, denn ihr Mund stand kaum eine Minute still, wurde ihr Ton eindringlicher, das Gesagte zweideutiger und ihre Vergleiche foppten meinen Verstand. Will sie mich etwa zum Narren halten? Mit ihren Allegorien, ihrer kleinen erzählten Parabel, forderte sie mich geradezu heraus und hatte somit die (trotzige) Kämpferin erneut in mir geweckt. Einen Zustand heraufbeschworen, der meiner gesundheitlichen Situation nicht wirklich förderlich war.
Zuvor hatte ich bereits ein dreistündiges, aufreibendes Seelengespräch mit Marie hinter mir gelassen, in welchem ICH die Zuhörerin war.
Erwecke ich tatsächlich den Eindruck eine Müllkippe zu sein oder so geistlos,  versteckte „Andeutungen“, Doppelsinnigkeiten nicht zu erkennen? Ich fühlte mich erneut brüskiert. Blieb nur kurze Zeit und sprach in aufgebrachtem Ton anschließen mit Gunnar darüber.
„Als Kleinkind kann man dich nun in der Tat nicht mehr bezeichnen. Oder mich. Denn wir beide sind Eins. Gleichwohl wir als Individuen nicht adäquat, und ebenso nicht immer einer Meinung sein mögen. Was überdies nicht notwendig ist. Im Gegenteil.“ Er schmunzelte. „Ja. Zweifelsohne eine geschickt erzählte Geschichte. Und kennt man den Hintergrund des Denkens und ihrer Überzeugungen, weiß man genau, was mit dem Schoß des Vaters ausgesagt werden soll.“
Gunnar holte tief Luft und musste lachen.
„Willst du mich jetzt ebenso für dumm verkaufen?“, fühlte ich mich durch sein Lachen provoziert.
Er hob die Hände und schüttelte den Kopf. „Beruhige dich. Ich bin auf deiner Seite. Oder besser, deine andere Hälfte. Es wäre tatsächlich vorteilhafter gewesen, ein Gespräch mit Mary zu führen, anstatt dich in Streitgespräche verwickeln zu lassen, die Dich aufwühlen und belasten.“
Er hatte Recht!
Nur war mir  bei dem Gedanken an eine Unterhaltung mit Mary gleichermaßen unwohl und durch das versteckt platzierte, provozierende „Gleichnis“ in Emilias Geschichte war ich in der Lage meinem Frust den Weg nach draußen zu ebnen.  Das „Tüpfelchen auf dem „I“ für diesen Tag. Nur war es eben nicht von Vorteil, es in ihrer Gegenwart zu tun. Ohnehin weiß SIE alles besser. Welche Chance würde ich haben ihr mit Worten zu begegnen?
Dennoch, aller Verspottung und Empörung zum Trotz, bin ich zuversichtlich und glaube an ein „positives Ende“. Irgendwann. Ich bin zweifelsohne eine unerschütterliche Optimistin. Oder besser, auf einen hoffnungsvollen Weg dorthin.
Die Karten sind längst verteilt. Das Spiel hatte begonnen und nimmt seinen Lauf.
Nur fehlt mir genau genommen der Sinn für dergleichen Bühnenstücke. Zumal, im Augenblick.
So werde ich mich (unter Vorbehalt) doch besser den Gesprächen mit Mary widmen. Genau so, wie Gunnar es mir antrug.

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Mary kam so gegen acht zu uns. Gunnar ließ uns allein. Nahm einige Sixpacks und ging zu Chris, Jonathan und Taylor.
Kurz zuvor sprach ich mit Ian, um ihm meine Glückwünsche zu seinem Geburtstag entgegen zu bringen. Selbstredend war die Zeit mit ihm limitiert. Was hatte ich erwartet. Ein Versprechen. Ein Gruß. Ein Kuss aus der Ferne. Mehr war da nicht. Was mein Herz über die Maßen traurig stimmte.

Mary begann beinahe überfreundlich und war durchaus entgegenkommend. Redete über sich selbst und stellte mir Fragen. Forderte mich gewissermaßen auf, darüber zu sinnieren, was für MICH Magie und Spiritualität bedeutet.
Alles in allem dauerte unser Gespräch in etwa zweieinhalb Stunden bis ICH abbrach. Alldieweil es mir mit der Zeit schlicht und einfach zu anstrengend geworden war. Sie war ebenso bereit die Unterhaltung auf meinen Wunsch hin umgehend zu beenden.
Die ganze Zeit über bleib sie zwar bestimmt jedoch gütig und warmherzig. Dennoch ändert es nichts an meiner Skepsis ihr gegenüber.
Sie ist eine Frau, und ich verstand mich bislang mit Frauen in keinster Weise.
Männer kann ich nunmehr erfahrungsgemäß einschätzen. Das Verhalten von Frauen ist mir nach wie vor suspekt. Ich sehe sie als Rivalinnen, Widersacher und nicht zuletzt als „den Feind“. Marie ist hierfür ein überaus anschauliches Beispiel in wie weit man langjährigen „Freundinnen“ vertrauen kann.

Restlos erschöpft bat ich Gunnar zu mir zu kommen und wir gingen unverzüglich zu Bett. Sex gab es erst am heutigen Morgen. Jedoch war er nicht wirklich befriedigender Natur.
„Da ist zu viel in deinem Kopf“, sagte Gunnar, als ich mich frustriert zur Seite drehte. „Richte deine Aufmerksamkeit stets auf DAS, was du gerade tust. Damit du es genießen kannst.“

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Gunnar ging vor etwa einer Stunde zum Office. Gleichwohl ich nicht weiß, was er am Sonntagmorgen dort zu suchen hat. Die Intension des „Nachspionierens“ kam mir für einige Sekunden in den Sinn. Ich ließ es jedoch zu Gunsten meiner Notebook-Zeit. Da diese ohnehin beständige Missbilligung findet.
Ein Mausklick nach dem anderen. Dann, durch ein Zittern meiner Hand, ganz zufällig, drückte ich unverhofft auf eine „falsche“ Taste, folgte dem „Pfad“ weiter und was sah ich da? Wanja. Im deutschen Fernsehen. Dieses ungeheuerliche Lügenschwein! Sagte er mir nicht, dass er verunfallt mit einem gebrochenem Bein im Krankenhaus liege?! Was hat dies nun wieder zu bedeuten?
Sollte ich ihn anrufen?


Samstag, 4. Mai 2013

Schnelle Rückkehr



Ich bin zurück und dies erstaunlicher Weise schneller als ich dachte. Dieses Mal. Zumindest.
Was ich vor drei Monaten so vehement monierte, gestand man mir letztendlich zu. Oder besser, man ließ es weg.
Zudem legte man mir nahe mir einen Port legen zu lassen.
Ist es in der Tat nötig meinen Körper derart zu verunstalten? Alldieweil aller Wahrscheinlichkeit nach eine hässliche Narbe zurück bleiben wird. Überdies ist es nun nicht wirklich sicher, ob dieses „Ding“ dann gleichwohl seine Funktion erfüllt.
Ich vermag mir mit Nichten vorzustellen, dass es auf längere Zeit gesehen ein angenehmes Gefühl sein wird, dieses „Etwas“ unter meiner Haut zu belassen. Ohnehin bedeutet dies, dass es einen weiteren „Schnitt“ geben wird, um dieses „Ding“ wieder aus mir raus zu holen. Andererseits besteht ohne Port die erhöhte Gefahr von häßlichen, schmerzenden Hautnekrosen. Was in diesem Fall noch viel unerfreulicher und gefährlicher wäre.
Nun, vor mir liegen drei Monate Zeit, um darüber nachzudenken.

Gunnar hielt sein Versprechen und war in der Tat die ganze Zeit über mit mir im Hospital. Er hatte das Bett gleich neben mir bezogen in einem durchaus geräumigen Zimmer. Die Speisen waren genießbar und wurden serviert.
Auf Behandlungen und Beschwerden mag ich nicht weiter eingehen.
Es ist vorbei. Für den Augenblick zumindest.

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Genau genommen ist mir im Augenblick nicht danach Gedanken an „andere Männer“ zu verschwenden. Jedoch vermeldete Gunnar kurz nach unserer Rückkehr einige „Männerstunden“ mit Bier und Freunden (?). Er dachte dabei an Chris Cunningham, Jonathan Walker und Taylor Cample. Er wäre doch nur einige hundert Meter von mir entfernt und ich könne ihn jeder Zeit erreichen. Brachte er zu seiner Rechtfertigung vor.
Sollte ich nun ebenso meinen „Freund“ in der Zeit der Ausschweifungen meines Mannes zu mir holen?  Selbstredend dachte ich an Troels. Jedoch war es mir nicht nach Besuchen zu mute. Ebenso wenig nach der Gesellschaft anderer Männer. Oder überhaupt nach einem Beisammensein mit irgendwem außer Gunnar.
In diesem Zusammenhang fiel mir Kevin ein. Ich denke fortwährend an ihn. Was soll ich nur tun? Könnte ich doch nur nach Berlin reisen, um ihn zu suchen! Was den offensichtlichen Gedanken vermittelt, dass ich davon überzeugt bin, dass Kevin noch am Leben ist. Was in der Tat gleichwohl der Wahrheit entspricht.

Rea new’s
- Marie ist noch immer in Ashern und wird dort ihren dreiundvierzigsten Geburtstag mit Adams Familie feiern.
- Gunnar sagte mir, dass Mary heute zu uns kommen wird.
- Troels sah ich indes noch nicht. Es wurde mir gesagt, er sei noch immer krank. Erhasche ich heute auch nur eine einzige Gelegenheit, werde ich versuchen mit ihm wenigstens einige Worte zu wechseln.


Mittwoch, 1. Mai 2013

Ausgetrickst



Für Gespräche mit Mary blieb bedauerlicherweise keine Zeit.
„Wir reden, wenn du wieder kommst.“, sagte sie, nahm meine Hand und nickte mir freundlich zu.
Okay. Das ist mir ohnehin viel lieber.
Gleichwohl ich es nicht sein sollte, bin ich skeptisch. Unsicherheit schleicht sich ein, wenn sie in meiner Nähe ist und ich möchte am liebsten davon laufen.
Schon immer ängstigten mich die extremen Methoden der indianischen Schamanen. Adam erzählte mir oft Geschichten von tagelangem Fasten, Sonnentänzern und von Visions Quests, wo Menschen an ihre Grenzen gehen. Sara hatte mit mir Ähnliches (an) getan und ich habe gewiss nicht den Wunsch es zu wiederholen. Nun scheint sie  mir „gefolgt“ zu sein. Ich sehe ihr lachendes Gesicht vor meinem inneren Auge. Sie hat mich ausgetrickst. Auf ihre ganz eigene Weise.

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Man hatte uns gänzlich überrascht (ausgetrickst). Gunnar und mich.
Christine hatte am Nachmittag eine kleine (? große) Feier organisiert. Ohne Einschränkung durfte jeder daran teilnehmen, der es mochte. Gleichwohl um Nähe zur Belegschaft zu zeigen. Es kamen mehr als wir vermuteten. Ich hätte es nie gedacht, dass wir beide so beliebt sind. Vor allem beim Personal. Nun, man war (vordergründig) natürlich überaus freundlich. Gratulierte, scherzte und lachte. Trotz alledem blieb ich distanziert und ein wenig misstrauisch.
Das prozellanerne Model, Elena, nutzte selbstverständlich ihre Chance ebenso, um Gunnar erneut näher zu kommen. Allerdings ohne ihren Begleiter. Gunnar zeigte (an diesem Nachmittag) jedoch kein besonderes Interesse an ihr. Oder wurde ich erneut ausgetrickst?
Zuweilen bin ich mir noch immer im Unklaren darüber wem ich glauben schenken sollte. Es steht noch immer ihr Wort gegen Gunnars.

Troels indes hatte sich unerwarteter Weise krank gemeldet. Ich kann es ihm nicht verübeln.

Wieder und wieder narrt mich die Versuchung bei Kevins Frau, genau genommen Ex-Frau anzurufen. Nur um zu lauschen. Auf Hintergrundgeräusche zu achten. Ob ich nicht möglicherweise doch Kevins Stimme erhaschen kann.
Sollte ich es tun?
Kevin hatte sich damals um meinet Willen von seiner Frau getrennt. Sogar scheiden lassen. Sie jedoch konnte es nicht verwinden und suchte beständig seine Gegenwart. Gleichgültig, ob ich nun dabei war oder nicht, und ihre Freunde halfen ihr dabei. Für mich war es ein beständiger Spießrutenlauf gewesen. Man hatte mich damals genarrt und ausgetrickst.

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Am Abend, Feuer, Trommeln, Musik und Tanz.
Es war bezaubernd, und Gunnar war es ebenso.
Ja. Ich liebe meinen Mann.
Würde er doch nur immer SO sein! Seine spirituelle Seite mehr nach außen kehren, anstatt die „anderen“, mit Partys und Neigungen anstößiger Art. Ich würde nicht mehr enden können Hymnen des Lobes auf ihn zu singen.
Jedoch niemand ist perfekt. Der Mensch ist in der Tat überaus facettenreich. Versuche ich mir beständig einzureden. Was genau genommen für mich „Schönrederei“ ist. Für Gunnar jedoch, die „Fähigkeit“ in allem das Schöne zu sehen.

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Während meines Aufenthaltes im Hospital werde ich hier pausieren.
Ich rang Gunnar das Versprechen ab, so viel wie nur möglich bei mir zu sein. (Mag es ihm gefallen oder auch nicht.) Ich brauche ihn an meiner Seite.


We see as soon as possible.