Mit ein wenig
Wehmut und Sorge davor, wie Kevin es auffassen würde, gingen Gunnar und ich
gestern noch zu Kevin und Janina, auf eine kurze Stippvisite. Ich hatte Gunnar
eingeweiht. Ihm alles erzählt. Und wir waren übereingekommen, die Dinge zu
klären. Denn uns beiden ist klar, dass wir zueinander gehören. Gunnar und ich.
Unsere Beziehung zueinander scheint sich völlig gegenläufig zu vielen anderen
Paaren zu entwickeln. Anstatt mit den Jahren immer weiter auseinander zu
driften, rücken wir immer nähere zusammen. Lernen uns mehr und mehr kennen,
respektieren und lieben. Keiner kann ohne den anderen. Auch Gunnar nicht ohne
mich, wie er sagt. Wir gehören zusammen, wie die zwei Seiten einer Münze. Wir
brauchen einander, wie die Erde das Wasser und die Pflanze das Licht. Daran
vermag niemand etwas zu ändern. Weder Derek, Kevin und auch eine Alexa nicht.
Gleichwohl sie doch die Mutter seines Sohnes ist. Gunnar und mich verbindet ein
magisches Band durch die Zeiten und viele Leben, die wir mehr oder weniger gemeinsam
bestritten. Gerade JETZT ist eines davon überaus präsent. Immer wieder stoßen
mich die so genannten Zufälle auf die Katharer.
„Wir gehen da
rein.“, sagte ich heute Morgen zu Gunnar, während wir am Frühstücken waren. Er
sah mir tief in die Augen und wusste genau, wovon die Rede war.
„Ja. Ich glaube,
das müssen wir tun. Aber ich fühle wir waren nicht bei dem großen
Feuer dabei. Wir lebten davor.“
„Ja. Das fühle
ich ebenso. Und ich finde, wir hatten großes Glück.“
Das hinein
Gehen bedeutet nichts anderes, als dass wir beide uns nebeneinander
liegend an den Händen fassen und gemeinsam in eine Imagination, in ein früheres
Leben gehen, um zu sehen, wie wir dort lebten. Wer wir waren und was wir taten
zu dieser Zeit.
Als wir bei
Janina und Kevin angekommen waren, blickten die beiden recht verwundert drein.
„Wieder gesund?“,
fragte Kevin.
Ich zögerte und
wandte mich ein wenig wie ein Aal, auf seine Frage zu antworten. „Nicht
vollständig. Aus diesem Grund gedenken wir nicht lange zu bleiben. Aber da ist
etwas, was ich face to face mit dir klären muss.“
OHO! Kevin ahnte
wohl, um was es ging. Sein Gesicht verfinsterte sich noch umgehend. Er sah von
mir zu Gunnar und wieder zurück. Die Muskeln seines Kiefers bewegten sich. Er
jedoch blieb stumm.
Janina hingegen
bat uns freundlich lächelnd herein.
„Wir bleiben
nicht lange.“, wehrte Gunnar ab. Nahm Janina zur Seite und verwickelte sie in
ein Gespräch, sodass ich die Gelegenheit bekam, mit Kevin allein zu reden. Und
ich kam ohne weitere Umschweife zum Kern. Sagte ihm, dass er beruhigt seine
Janina heiraten könne und dass ich mich entschieden hätte, bei Gunnar zu
bleiben.
Mit den Worten: „Es
tut mir leid.“, beendete ich meine Erklärung.
„Und mir erst.“,
wurde Kevin nun zynisch. Ich sah, dass er wütend war. „Hast du dir das auch
wirklich gut überlegt?“, setze er noch einmal nach.
Ich nickte und
startete noch einen vergebenen Erklärungsversuch. „Wir gehören zusammen und er
gibt sich in der Tat große Mühe mir treu zu sein. Das muss und werde ich
respektieren.“
Kevin drehte ab.
„Ja. Wie du meinst.“
Ich gab Gunnar
ein Zeichen, damit er wusste, dass nun alles gesagt worden ist. Mehr war
ohnehin im Augenblick nicht möglich. Kevin hatte diesen Hammerschlag vorerst zu
verdauen. Wo bis vor wenigen Minuten noch Hoffnungen auf eine gemeinsame
Zukunft war, lag nun, durch meine ausgesprochenen Worte, alles in Schutt und
Asche.
Noch ein paar
Sätze der Höflichkeit und wir verabschiedeten uns von den beiden.
Ich hatte nicht
gewagt, Kevin zu fragen, ob er trotz alledem mein Geschäftsführer bleiben wird.
DAS werde ich heute nachholen müssen. Denn ich brauche ihn. Und Geschäftliches
sollte vom Privaten getrennt werden. Genau genommen.
Tja nun,…..gibt
es niemanden mehr für mich außer Gunnar.
Die Würfel sind
gefallen. Punkt.