Am Nachmittag kam Troels vorbei. Klopfte an der Tür und
drängte mich, den Schlüssel zu seiner
Wohnung wieder an mich zu nehmen.
Ich blieb in der Tür stehen. Genau wie er zwei Tage zuvor.
Bat ihn nicht herein.
„Sei nicht albern. Lass mich kurz mit dir reden.“
„Gunnar kommt sicher gleich vorbei.“
Was für eine widersinnige und eher peinlich durchschaubare
Lüge. Wie kam ich nur dazu dergleichen Unsinn von mir zu geben?
Troels lächelte gelassen und schob mich sanft zur Seite.
„Komm setzt dich zu mir.“
Ich schnaufte durch, schloss die Tür und nahm ihm gegenüber
Platz.
Troels sah mich nur an. Eine ganze Weile lang. Schweigend
und lächelnd. Dann holte er aus seiner Jackentasche einen Schlüssel, legte ihn
vor sich auf den Tisch und schob ihn langsam zu mir herüber.
„Ich will ihn nicht.“, gebärdete ich mich trotzig.
„Dann brauchst du mich das nächste Mal nicht nachts halb
drei aus dem Bett zu klingeln.“, sprach er unbeeindruckt von meiner Widerrede
weiter.
„Es wird kein nächstes Mal geben.“
„Wird es doch. Denn du wirfst unsere Freundschaft nicht
einfach so weg.“
Ich funkelte ihn an. Wusste nicht wirklich, was ich nun
antworten sollte. Also schwieg ich besser und wartete ab.
Wir sprachen wir über Anette Christensen und eine Zeit lang
benahm ich mich noch unnachgiebig.
„Sie kam
zurück und ist bei mir geblieben.“
„Du hast sie
zurückgeholt. Gib es zu!“
Troels schnaufte. „Ich weiß nicht mehr wie oft ich dich darum
bat, bei mir zu bleiben. Ich muss auch irgendwie leben. Verstehst du nicht?“
„Natürlich verstehe ich das. Du kannst schließlich nicht
ewig auf mich warten. Und jetzt,....brauchst du mich nicht mehr.“, was
mitnichten ein Vorwurf sein sollte.
Troels lehnte sich zurück und sah mich erneut schweigend
an.
„Wenn du es ernst meinst“, begann er dann, „zu mir kommst,
und tatsächlich mit mir leben willst, beende ich augenblicklich die Beziehung
mit Anette. Aber ERST dann. Aber das wird ohnehin nicht geschehen. Oder?“
„Nein.“
Er schüttelte mit dem Kopf. „Hast du mich je wirklich
geliebt? Oder war alles nur ein Spiel für dich?“
So allmählich verrauchte mein Zorn und Verständnis breitete
sich in mir aus.
„Ich liebe dich noch immer.“, sagte ich leise und sah ihm
tief in seine Augen.
Es war nicht gelogen. Ich liebe ihn natürlich auf eine ganz
besondere Weise.
Umso tiefer und längere ich ihm in seine Augen sah, umso
mehr fühlte ich mich zu ihm hingezogen. Und bereits nach wenigen Minuten war
ich bereit gewesen, mich augenblicklich in seine Arme zu werfen und mit ihm ins
Bett zu steigen.
Herr Gott noch eins! Ich hasse diese Wankelmütigkeit. Ein
attraktiver Mann, mit welchem ich bereits irgendwann schon einmal intim gewesen
war, vermag mich noch immer in kürzester Zeit umzustimmen und schwach werden zu
lassen. Eines meiner anhaltenden und beständigen Laster.
Aber Troels war nicht irgendwer. Er ist etwas Besonderes.
Am Ende nahm ich den Schlüssel an mich, fiel ihn um den
Hals und wir küssten uns innig, bevor er mich verließ.
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Kurze Zeit später kam der nächste Gast. Jason Anekelea.
Er berichtete mir von den Disputen mit seiner Frau. Sie sei
so extrem eifersüchtig. Insbesondere auf mich. Könne sich nicht mehr beruhigen.
Unterstelle ihm erneut mit mir geschlafen zu haben.
„Taten wir das nicht?“, fragte ich ein wenig spitz.
Jason zog die Augenbrauen nach oben und lachte. „Ja. Aber
leider nicht mehr. Wir hätten es tun sollen. Damit sich der Ärger auch lohnt.“,
witzelte er. „Wir könnten es ja noch nachholen.“
Jetzt zog ich die Brauen nach oben und verzog das Gesicht.
„Doch eher nicht.“
„Warum?“
„Lass es Jason.“
„Wirst du jetzt zur Heiligen? Während sich dein Mann durch
die Reihen der Angestellten fickt.“
Mit einem energischen „Nein!“, widersprach ich dieser
Behauptung. „Das tut er nicht. Das sind doch nur Gerüchte.“ Mit jedem meiner
Worte wurde ich leiser und meine Glaubwürdigkeit schien damit zu schwinden.
Jason lachte. Legte den Kopf ein wenig schief und sah mich
spöttisch an. „Tja. Dann weiß ich auch nicht, warum er gerade in Ellen Parkers
Hütte gegangen ist.“
Ich versuchte diesen Satz zu ignorieren und wir redeten
noch einige Minuten miteinander. Dann drängte ich ihn zu gehen. Denn ich wusste
nicht, wann Gunnar zurückkommen würde, und es wäre mir unangenehm gewesen, wenn
er Jason hier, bei mir vorfindet.
Zum Abschied küsste er mich innig. Es ging so schnell. Ich
konnte mich ihm nicht mehr entziehen. (....und schmolz erneut im See der
Gefühle dahin....)
Nach etwa einer Stunde rief mich Gunnar an. Fragte, ob ich
schon essen gehen wolle. Er wäre gerade auf dem Weg zu Inula Castanes und Óðinn Aron. Würde dort eine Weile
bleiben wollen, wo ich ihn abholen könne, wenn mich der Hunger plagt.
Die ganze Zeit
über hatte ich darüber nachgedacht, ob Gunnar tatsächlich bei Ellen Parker war.
Ebenfalls sinnierte ich darüber zu ihrer Hütte zu gehen und durch die Fenster
zu spähen. Tat es aber dann doch nicht. Weil ich es albern fand.
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Den Jazz-Abend im großen Saal besuchten wir nur kurz. Für
ein, zwei Songs. Nur um Präsenz zu zeigen.
Später saß ich völlig erschöpft an Gunnars Seite, hatte
meinen Kopf an seine Schulter gelehnt während wir fernsahen.
Der virtuelle Kuss
Kurz bevor wir zu Bett gehen wollten, bekam ich eine SMS
von Kevin. `Lass uns kurz skypen.´
Ich stand auf, nahm mein Notebook, setzte mich wieder zu
Gunnar auf die Couch und schaltete es an.
„Ahh. Du bis natürlich nicht allein. Hi Gunnar!“, begann
Kevin die Konversation. „Ich dachte, ich lade deine Frau zu mir ein. Denn meine
wird für ein paar Tage verreisen.“
„Wenn sie will.“, antwortete Gunnar knapp.
„Willst du?“ Kevin grinste mich an.
„Ich weiß nicht recht.“, begann ich mich zu winden. „Gerade
vor einigen Tagen kam ich aus dem Hospital. Und die zweite Woche ist stets die
Schlimmste.“
Kevins Mundwinkel hatten sich bereits nach unter verzogen
und er sah ganz traurig drein.
„Na ja. Vielleicht das nächste Mal.“
„Wann wird sie denn genau verreisen?“, fragte ich dann doch
noch und sicherheitshalber, um mir diese Option vorzubehalten.
„Vom 24. bis 26. Februar.“
Als wir zu Bett gegangen waren, animierte ich Gunnar zum
Sex.
„Du hast lange nicht mit mir geschlafen.“, sagte ich zu ihm
und kuschelte mich fest an seinen Körper. Schmuste und streichelte ihn.
„Ja. Ich weiß.“, sagte Gunnar liebevoll lächelnd.
Streichelte meine Wange und liebkoste mich. „Ich wollte nur Rücksicht auf dich
nehmen. Ficken ist schließlich nicht das Wichtigste auf dieser Welt und ganz und
gar nicht in unserer Beziehung. Meinst du nicht auch?“
„Hmm.“ Ich nickte und schloss kurz beide Augen, um zu
bekunden, dass ich ihm zustimmte.
„Aber wenn du es willst.“, sprach es und erhob sich sacht.
Begann meinen Körper von oben nach unten und von unten nach oben mit Küssen zu
bedecken.
Ich gab mich hin. Ließ mich fallen. Genoss!
Erstaunlicher Weise dauerte das Vorspiel viel länger als
sonst und sein Eindringen war überaus gefühlvoll und sanft. Genau SO, wie ICH
es mag. Gunnar bewegte sich langsam auf und ab. Ließ mich jeden einzelnen Stoß
in vollen Zügen genießen.
Kurz kam mir der Gedanke, wie er mit diesen weichen, zarten
Bewegungen zum Höhepunkt kommen würde. Wo er doch genau genommen viel eher auf
die etwas härtere Gangart stand. Was mir am Ende doch an sich gleichgültig gewesen
war. Ich hatte mich danach gesehnt, ihn endlich wieder in mir zu fühlen. Wollte
nur noch schwelgen, genießen, bis zur aller letzten Sekunde an nichts anderes
mehr denken.
Jedoch war es dann doch nicht so.
Es dauerte verhältnismäßig lang bis er in mir kam. In
dieser Zeit schossen mir gelegentlich Gedanken an Ellen Parker, Paula Diaz, Natalja Wassilijew und vielen anderen durch den Kopf,
denen man nachsagte mit meinem Ehemann ein Verhältnis zu haben und ich ärgerte
mich darüber wie die Bilder an meinem inneren Auge vorüber zogen, wo ich Gunnar
mit dieser oder jener sich im Bett wälzen sah.
Ich schob sie
alle samt beiseite. Schluss damit! Basta!
„Wie gelingt dir das?“, fragte ich Gunnar, kurz bevor ich
einschlief.
„Was?“
„Es war schlicht und einfach herrlich heute. Genau SO, wie
ICH es mochte. Und das weißt du auch.“
Gunnar küsste mich sanft, drückte mich an sich und knurrte
genüsslich. Und bevor ich eine Antwort bekam, schwebte ich ins Land der Träume.