Troels kam nicht spät. Es war so gegen sechs. Trotz alledem
genügend Zeit, um zu schreiben, zu duschen und mich für ihn noch ein wenig auf
zu hübschen.
Ich kokketiere nicht mehr so viel wie früher mit meinem
(reizvollen) Äußeren. Es ist einfach da und fasziniert die Mehrzahl der Männer
noch immer sichtlich.
Wir speisten im Sturehof und Troels strahlte nur noch.
Schien stolz auf meine Gegenwart zu sein. Denn das Lächeln wich keinen Augenblick
mehr aus seinem Gesicht.
„Weißt du“, sagte er und legte die zusammen geknüllte
Serviette auf seinen Teller, „sie reden über dich.“
„Ach was?“ Ich setzte einen erstaunten Gesichtausdruck auf
und blinzelte ihm entgegen. „Was reden sie denn?“
Troels schmunzelte und zwinkerte mir zu. „Du wärst eine
Erscheinung. Hättest ein natürliches, einnehmendes und angenehmes Wesen. Würdest
alle Blicke auf dich ziehen mit einer selbstverständlichen Art und Weise. Deine
Präsenz wäre so intensiv, kraftvoll und authentisch, dass alles andere um dich
herum verlassen würde.“
(So hatte ich das noch nie gesehen.)
Ich schüttelte den Kopf und musste lächeln. „Du lügst.“
„Nein. Ein Schwall von Neid traf mich ungestüm und heftig
von den Kollegen auf die verschiedensten Arten. Und alle Kolleginnen, die bis
dahin glaubten mich für sich einnehmen zu können, waren wie ausgewechselt und
eher beschämt.“ Überschwänglich streckte er mir die Hände entgegen. „Ich bin so
glücklich mit dir.“
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„Warum heiratest du mich nicht?“, fragte Troels als wir in
seiner Wohnung noch eine Weile auf der Couch saßen und er mir mit diesem
Hundeblick entgegen sah, welchen ich nicht zu widerstehen vermag. „Du machst so
viele Kompromisse in deiner Ehe.“
„Und welche Kompromisse müsste ich mit dir eingehen?“, kam
die Antwort/Frage umgehend zu ihm zurück.
„Keine.“, antwortete er ziemlich rasch und leise.
„Da bin ich mir nicht so sicher.“ Ich zwinkerte ihm zu und
griff nach seiner Hand.
Er räusperte sich, zog die Augenbrauen nach oben und hielt
meine Hand fest in den Seinen. „Du hast natürlich Recht. Wenn zwei Menschen
gemeinsam einen Lebensweg beschreiten werden immer Kompromisse nötig sein. Aber
es fallen mir im Augenblick keine ein.“ Ein unschuldiges Lächeln überzog sein
Gesicht, in welchem der Ansatz der Grübchen in seinen Wangen zu sehen war und
ich musste lachen.
„Ich vermute, ich wäre mit deinem politischen Arrangement
nicht einverstanden.“
Er sah mich erstaunt an. „Wieso das denn?“
„Bist du noch immer ein solcher Idealist, dass du glaubst
mit deiner Arbeit in einer Partei etwas bewegen zu können?“
Er sah mich entgeistert an.
„W-a-s ist?!“ Ich zog die Schultern nach oben und breitete
die Arme seitlich ein Stück aus.
„Wieso denkst du das?“
Götter! War er tatsächlich so naiv? „Muss ICH dir in der
Tat erzählen WER diese Welt regiert?“
Sein erwartungsvoller Blick traf mich. Sollte ich
tatsächlich weiter reden? Das Gespräch nahm eine Wende, welche ich nicht
beabsichtig hatte.
„Denkst du wirklich, dass du etwas bewegst, mit dem, was du
da tust? Wenn du diesen Weg weiter gehst, wirst du irgendwann Entscheidungen
treffen müssen.“
„Entscheidungen werde ich sicherlich viele treffen
müssen.“, unterbrach er mich ein wenig schroff.
„Nein. Das meinte ich nicht.“
„Was dann?“
„Du wirst dich zwischen Geld und Idealen entscheiden
müssen. Ideale heißt diffamiert zu werden. Ein Absturz ist vorprogrammiert.
Oder du nimmst das Geld und tust, was man dir sagt.“
„Nein. Nein. Nein.“
„Doch. So läuft das. Zerstöre ich dir jetzt etwa deine
Überzeugungen und Werte, für die du jeden Morgen aufstehst, arbeitest und
denkst jetzt endlich eine besser Welt zu schaffen?“
„Ich kann mit dir darüber nicht reden, wenn du so bist.“ Er
machte eine abwinkende Handbewegung und senkte den Kopf.
„Wie? SO?“
„Du verstehst nicht!“
„Siehst du.“ Ich ließ ihn nicht ausreden. „So leicht fand
ich jetzt einen Punkt, über welchen wir unterschiedlicher Meinung sind und wir
Kompromisse schließen müssten.“
„D-U! Wolltest mich austricksen?“
„Nein. Dir ausschließlich die Wahrheit sagen.“
„Deine Wahrheit.“
„Nein. Schlicht und einfach DIE Wahrheit.
„Aber DAS ist doch kein Grund mich nicht zu heiraten!“,
schloss er den Kreis.
„Dann gehe ich es profaner an. Ich mag nicht, wenn du
rauchst. Würdest du um meinet Willen das Rauchen sein lassen?“
„Ja, und ich will jetzt nicht mehr mit dir streiten.“ Er
zog mich zu sich heran. Küsste mich innig auf den Mund und strich mit seinen
Händen über meinen Körper bis ich mich weich in seine Arme fallen ließ.
Erwartungsvoller, ausgiebiger und andauernder Sex
folgte.
Trotz seines Alters ist Troels noch immer leistungsfähig
und potent um einen lang anhaltenden Sex zu praktizieren. Zudem noch mit dem
nötigen Feingefühl.
Ich vermochte mich vollends fallen zu lassen, hinzugeben
und zu genießen.
Kurz vor meinem Höhepunkt spürte ich etwas in mir, das mich
wie eine Schlange bewegen, mich aufbäumen, aufrichten, niedersinken und Wellen
schlagen ließ. Bis zu einem grandiosen Gefühls – Finale indem ich meine Arme um
Troels Körper schlang, und er erzählte mir später, dass es gewesen sei, als
hätten ihn tausend meiner Arme umfangen.
Heute Morgen noch einmal eine eher hastige und kurze
Variante mit weniger Gefühlsexotik. Denn Troels brach gleich anschließend, ohne
zu Frühstücken, zur Arbeit auf.
Ich war so müde (Jetlag). Hätte mich am aller liebsten
zurück in Troels Bett gelegt und weiter geschlafen. Ging jedoch dann
frühstücken, rief mir ein Taxi und fuhr mit meinem Koffer zum Zentrum.
Während der Fahrt erreichte mich ein Anruf von Gunnar, der
sich noch tausend Mal für seine „Verschwiegenheit“ entschuldigte. Er wäre doch
spätestens am Dienstag wieder bei mir.
„W-a-s? Ich dachte, du kommst noch vor dem Wochenende
zurück!“, erhob sich meine Stimme entrüstet.
Stille.
Räuspern.
„Nun ja. Es dauert schon seine Zeit. Außerdem hat die
Truppe eine kleine Safari geplant.“
„Bist du dort im Urlaub? Oder was?“, wurde ich ungehalten.
„Du hättest auch mitkommen können.“
„Davon war in der kurzen Zeit von dem Moment an wo du es
mir sagtest bis zu dem Augenblick, wo du weggingst niemals die Rede. Was denkst
du dir eigentlich?! Wenn ich mir das erlauben würde.“, platzte es wütend aus
mir heraus.
Stille.
Knack. Knack.
„Es tut mir leid.“, hörte ich nur noch und dann brach die
Verbindung ab. (Was mich nicht wunderte.)
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Oh, ich vergaß es beinahe zu erwähnen. Von Ian eine
Video-Nachricht in Form eines Songs, in welchem er die „einzig wahre Liebe“
preist.
Praktiziert er mit mir eine dieser Arten von Liebe, die nur
auf einer gewissen Entfernung basiert. Eine Schwärmerei, wie es Teenies tun? Unerreichbar
und zuweilen doch so nah. Braucht er dergleichen etwa? Ist es dieser
Herz-Schmerz-Blues, welcher ihn zum Song schreiben inspiriert? Darauf vermag
ich getrost zu verzichten!
Was ist eigentlich mit Annica? Von ihr singt er nichts.
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And now I’m hungry. Go for eat to the Restaurant.